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Im kulturhistorischen
Kontext wird eine Auswahl von künstlerischen und
volkskundlichen Darstellungen eines menschheits-
geschichtlich zentralen
Themas quer durch die Zeiten gezeigt: das Stillen des neugeborenen
Kindes. Es ist Gegenstand bildnerischen Schaffens von den
frühen Anfängen im alten Ägypten - die
Göttin Isis hält ihren Sohn Horus an die Brust -
über die Spätantike und die »Maria
lactans« des Christentums bis zu Variationen bei der
Gestaltung dieser bedeutenden menschlichen Erfahrungskonstellation in
Moderne und Gegenwart. Die Darstellung dieses natürlichen
Vorgangs – Mutter
und Kind in der innigen Verbindung beim Stillen – ist in der
christlichen Ikonographie in Gestalt der »Maria
lactans« durch zahllose Andachts- und Gnadenbilder seit dem
frühen Mittelalter bekannt. Hier wird die Brustweisung Mariens
als klassisches Symbol ihrer Barmherzigkeit verstanden.
Schwerpunkt der Ausstellung sind Bilder der den Menschensohn stillenden
Gottesmutter aus dem Raum Wien und Niederösterreich.
Von den
ca. 70 Exponaten sind etwa die beiden in Wien existierenden
Darstellungen der stillenden Madonna aus der Werkstatt von Lucas
Cranach d. Ä. hervorzuheben: eine aus dem Kapuzinerkloster in
Wien, die hier erstmals seit Jahrhunderten außerhalb des
Konvents präsentiert wird, die andere aus der Schausammlung
des Dommuseums. [nach oben] |
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Von den gezeigten Werken
der Malerei, Grafik und des
Kunstgewerbes
werden viele zum ersten Mal der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Dabei verdienen die ältesten
Zeugnisse, wie die Exponate der stillenden Göttin Isis,
besondere Beachtung.
Ein wichtiges Anliegen dieser Ausstellung ist es, die Bedeutung des
Stillens zu vermitteln.
Es geht auch darum, über
die Liebe der Gottesmutter zum Jesuskind
diese besonders innige Beziehung am Lebensbeginn des Menschen
prototypisch zu veranschaulichen. Beim Stillen wird die wunderbare
Intimität und absolut liebevolle Beziehungserfahrung,
gleichermaßen für Mutter und Kind, zum Ausdruck
gebracht. Eine der ersten Sammlungen von bildlichen Darstellungen
stillender
Mütter geht auf die beiden Wiener
Kinderärzte und
Sozialpädiater August von Reuss (1879 – 1954) und
Hans Czermak (1913 – 1989) zurück. Sie wollten damit
die fundamentale Bedeutung des Stillens für die leibseelische
Entwicklung des neugeborenen Menschen unterstreichen.
Begleitend zur
Ausstellung erscheint im Wiener Domverlag das Buch
»Maria lactans – Die Stillende in Kunst und
Alltag«. Der ikonographischen Themenstellung und dem Anliegen
der Weihnachtsausstellung im Dom-
museum entsprechend, wird darin der Gegenstand aus
kulturgeschichtlicher,
kinderärztlicher, theologischer und gesellschaftspolitischer
Sicht beleuchtet. [nach oben]
Bilder:
Werkstatt Lucas Cranach
d. Ä.,
Maria lactans, 1. Viertel 16. Jahrhundert,
Öl auf Holz, 87 x 58 cm, Konvent
der Kapuziner, Wien. © Konvent der Kapuziner,
Wien
Ferdinand Georg Waldmüller,
Maria mit dem Jesuskind, 1820, Öl auf Holz,
20,3 x 13 cm,
Leihgabe der Pfarre Mönichkirchen/NÖ im Dommuseum.
© Dommuseum, Wien
Theodor van Thulden, Madonna mit
Kind, 1. Hälfte 17. Jahrhundert, Öl
auf Holz, 104 x 80 cm, Privatbesitz.
© Dommuseum, Wien |
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